Wettkampfbeginn

Die eigene Begeisterung für das Inlineskaten brachte nach einem Halbmarathon Volker Springhart in Kontakt mit dem sich aufbauenden Speedteam des 1. FCN Roll- und Eissport e.V. Er intensivierte seine eigenes Training im Verein, nahm an vielen Rennen des Bayerncup teil, erweiterte seine Kenntnisse und absolvierte mehrere Ausbildungen zum Übungsleiter. Er arbeitete im Jahr 2003 beim Aufbau der Kindergruppe des Vereins mit, die von Anfang an auch für behinderte Kinder geöffnet war. In diese Kindergruppe trainierten anfangs regelmäßig 2 vollblinde Sportler mit und zeitweise waren auch sehbehinderte Kinder in die Gruppe integriert. Ein hochgradig sehbehindertes Kind trainiert so intensiv in der Gruppe mit, dass es im Jahr 2009 nicht nur Deutscher Meister im Speedskaten für blinde und sehbehinderte Sortler wurde, sondern auch in seiner Altersgruppe den 3. Platz in der Bayerischen Meisterschaft der nichtbehinderten Sportler erreichte.

Die Zusammenarbeit mit dem Sportverein entwickelte sich sehr gut, wenn auch die Zahl der mittrainierenden blinden und sehbehinderten Kinder und Jugendlichen nicht so hoch war, wie gewünscht. Die regelmäßige Teilnahme zu einer bestimmten Zeit bereitete Probleme, so dass Kinder und Jugendliche weiterhin zu ihnen genehmen Zeit auch am Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte weiter skateten. Die Zusammenarbeit fand einen Höhepunkt in einer gemeinsamen Zeltfreizeit in Verbindung mit der Teilnahme am cappSportcup 2006 in München.

Im Jahr 2006 kam dann bei Verantwortlichen des Vereins die Idee auf, eine Deutsche Meisterschaft im Speedskaten für Blinde und Sehbehinderte ausrichten zu wollen. Die blinden Skater hatten auf verschiedenen Freizeit- und Speedrennen ihre Fähigkeit dazu nachgewiesen. Das besondere an der Idee war, diese Meisterschaft im Rahmen eines Fachverbandes außerhalb des Versehrtensportes ausrichten zu wollen.

Die Wettkampfrichtlinien des Deutschen Rollsport und Inline Verbandes (DRIV) um eine Wettkampfordnung für Rennen mit Blinden und Sehbehinderten in 3 Startklassen erweitert:

  • B1 für Blinde Athleten mit Führung an der Hand
  • B2 für hochgradig sehbehinderte, blinde Athleten mit Begleitläufern
  • B3 für sehbehinderte Athleten, die keine Führung benötigen

Der 1. FCN Roll- und Eissport e.V. führte 2007 die ersten Deutschen Meisterschaften im Speedskaten für blinde und sehbehinderte Menschen auf der Bahn durch. Wegen der Notwendigkeit der Mitgliedschaft in einem DRIV angeschlossenen Verein zur Erlangung der Startlizenz und Anerkennung des Meistertitels entstand eine spezielle Anfänger-Trainingsstunde für blinde und hochgradig sehbehinderte Inlineskater, die nicht mehr in der Blindenanstalt Nürnberg betreut wurden. Zusätzlich können sehgeschädigte Sportler auch an den Übungsstunden der nichtbehinderten Sportler teilnehmen.

Da die blinden sportliche Begleitläufer mit höherer Leistungsfähigkeit als die behinderten Läufer benötigen, sollen durch die Mitgliedschaft im Verein, auch die notwendigen Trainingspartner und Begleitläufer für Wettkämpfe gefunden werden. Aufgrund der ersten Deutschen Meisterschaft ist schon ein weitere Verein eine solche Kooperation mit einem blinden Inlineskater eingegangen und wir hoffen auf weitere Kooperationen von Vereinen.

Vom Deutschen Rollsport und Inline Verband wird eine offizielle Rekordliste der sehgeschädigten Sportler geführt, aus der die Leistungsfähigkeit und die Möglichkeiten der behinderten Sportler in dieser Sportart ablesbar ist.

Mit Unterstützung der Stadt Nürnberg wurde der Bau eines eigenen Rollsportplatzes mit besonderer Eignung für blinde Skater im Jahr 2007 realisiert. In Verbindung mit der Siegerehrung der ersten Deutschen Meisterschaft im Speedskaten für blinde und sehbehinderte Sportler konnte der neue Inlinerplatz am 3. Oktober 2007 eröffnet werden.

Weitere Deutsche Meisterschaften im Speedskaten wurden 2008 (Marathon und Bahn) und 2009 in Nürnberg ausgerichtet.

Im Jahr 2010 wurde die Deutsche Meisterschaft im Halbmarathon im Speedskaten für blinde und sehbehinderte Sportler am 18. April 2010 in Kerpen ausrichten, nachdem eine solche Ausrichtung beim cSc nicht realisierbar war. Die Nürnberger Gruppe hat gerne an dieser Veranstaltung teilgenommen. Im Mai 2011 folgte dann die zweiter Deutsche Meisterschaft der blinden und sehbehinderten Inlineskater auf der Halbmarathondistanz in Kerpen, leider jedoch nur mit 8 Nürnberger Teilnehmern.

Im April 2010 fand in Nürnberg ein Inlineskatekurs für blinde und sehbehinderte Menschen statt.Nürnberg ist aufgrund dieser historischen Entwicklung Ursprung und Schwerpunkt der Inlineskateaktivitäten für blinde und sehbehinderte Menschen. Es besteht die Hoffnung, dass dieser integrative und ausgezeichnete Sport für blinde Menschen sich weiter verbreitet und nicht nur von wenigen Ausnahmesportlern ausgeführt wird. Inlineskaten von blinden Menschen hat etwas mit „trauen“ zu tun. Einerseits das zutrauen in die Fähigkeit des blinden Menschen von den sehenden und andererseits viel Vertrauen in die Führung des sehenden Begleiters von Seiten des blinden Menschen. Nicht die mögliche Angst des blinden Menschen ist das Problem, sondern die Angst des sehenden Umfeldes. Die Rekordliste und der Spaß der blinden Sportler am Inlineskaten kann Vorurteile abbauen. Wir brauchen mehr mutige Menschen, welche bereit sind, blinde Menschen hier zu unterstützen und als Trainingspartner und Begleitfahrer zur Verfügung zu stehen. Sport ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit wichtig: Er muss Spaß machen, damit man dabei bleibt. Das ist beim Inlineskaten sowohl beim Begleitfahrer als auch blinden Sportler gegeben.

Im September 2011 wurde die Deutsche Meisterschaft auf der Marathonsdistanz im Rahmen des Fränkischen Schweiz Marathons ausgerichtet. In den Folgejahren bis 2018 wurden dann jährlich Deutsche Meisterschaften auf der Bahn und der Straße für blinde und Sehbehinderte Skater ausgetragen. Die Blindensportgruppe des 1. FCN Roll- und Eissport e.V. wurde somit jährlich Deutsche Meister und erhielten die Ehrung bei der jährlichen Sportlerehrung der Stadt Nürnberg.

Eine Multiplikation der Sportart Speedskaten für Blinde hat sich  leider nicht deutschlandweit  entwickelt, obwohl Freizeitskaten an verschiedenen Bildungseinrichtungen für blinde Menschen ausgeübt wurde und wird. Ein blinder Speedskater benötigt einen ständigen sehenden Trainingspartner und leistungsfähigen Begleitskater beim Rennen, der diese Aufgabe sich zutraut und gerne macht. Auch unserer Verein hat insbesondere aufgrund der höheren Zahl von blinden Skatern Probleme die notwendige Zahl der Trainings- und Wettkampfpartner zu finden. 

Der Trendsport Inlineskaten ist dramatisch zurück gegangen. Dies wirkt sich dann auch auf die Zahl der sportlich ambitionierten aus, so dass auch deren Zahl zurückgeht mit einem Mitgliederschwund der Vereine und Rückgang der Teilnehmerzahl an Wettbewerben und Freizeitläufen.

Im Jahr 2019 werden aus organisatorischen Gründen auch keine Deutschen Meisterschaften im Speedskaten für Blinde und Sehbehinderte ausgerichtet. Solche Läufe finde jedoch noch im Rahmen einer Bayrischen Meisterschaft statt.

Nürnberg im Januar 2019 © Volker Springhart